Das Römer Stadtderby

Am Sonntag, den 4. Dezember ist es wieder soweit. Die Römer Serie-A-Klubs Lazio und Roma stehen sich im Olympiastadion der ewigen Stadt gegenüber. Es gibt kaum ein Derby in Italien, das mehr Augen auf sich zieht. Dennoch hat sich in den letzten Jahren und Monaten etwas verändert. Das „Derby della Capitale“ ist nicht mehr das, was es einmal war.

Franco Gabriello vs. AS Roma

Plexiglas und Betonmauern so weit das Auge reicht. Die Südkurve des Olympiastadions ist seit einiger Zeit in aller Munde – leider. Denn anstatt farbenfrohen und stimmgewaltigen Ultras, ist die Kurve meistens leer. Es ist die Folge des Kleinkrieges den sich die Roma-Fans mit dem neuen Staatspolizeichef Franco Gabrielli liefern. Der 46-Jährige Toskaner fährt eine harte Linie gegen die Ultras und hat überall im Stadion Abtrennungen montieren lassen. Für die Fans ein untragbarer Zustand. Fanblöcke und Gruppierungen die über Jahrzehnte hinweg gewachsen waren, wurden durch die neuen Glasscheiben von einander getrennt. Um überhaupt in das Stadion zu kommen, muss man sich durch Drehkreuze drängen, zudem wurden mehrere Gesichtserkennungs-Kameras montiert. Das Olympiastadion gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Zu allem Überfluss wurden auch noch horrende Geldstrafen ausgestellt, wenn sich jemand nicht auf seinem zugewiesenen Platz im Stadion befand. Kein Wunder also, dass die Betonschüssel nahe des Tibers fast immer halb leer ist. Für die Spieler der Roma wird dieser Zustand immer mehr zu einem Problem. So haben sich bereits Daniele De Rossi, Francesco Totti und Alessandro Florenzi kritisch zu dem Thema geäußert. Alle drei sind übrigens waschechte Römer.

Tödliche Leuchtraketen und rechte Kurven

Am 8. Dezember 1927 fand das erste Römer Derby zwischen Lazio und der Roma statt. Dank einem Treffer von Klublegende Rodolfo Volk entschieden die Gelb-Roten das Spiel mit 1:0 für sich. Auch Gewalt ist beim Römer Derby ein Thema. Immer wieder gab es Probleme beim Duell der beiden Hauptstädter. Vor allem die Lazio-Fans, bekannt für ihre rechte Gesinnung, machten regelmäßig mit eigenwilligen Spruchbändern und Aktionen auf sich aufmerksam.

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Die Lazio Nordkurve vor dem Anpfiff des „Derby della Capitale“ im Jahr 2013.

So wurde in der Lazio-Kurve ein Banner mit der Aufschrift „Auschwitz la vostra patria, i forni le vostre case“ („Auschwitz ist eure Heimat, die Öfen euer Zuhause“) entrollt, oder die Roma-Mannschaft aufgrund einiger dunkelhäutiger Spieler als „Neger-Mannschaft“ bezeichnet. Berühmtheit erlangte auch Lazio-Kapitän Paolo De Canio, der 2005 seinen rechten Arm, als Zeichen des römischen Grußes, in die Nordkurve streckte. 1979 starb der 33-jährige Lazio-Fan Vincenzo Paparelli, weil ihn während des Spiels eine Leuchtrakete aus dem Roma-Block im Gesicht getroffen hatte. 2004 gab es ebenfalls Tumulte während des Derbys. Nachdem sich im Stadion das Gerücht breit gemacht hatte, das vor dem Spiel ein Kind von einem Polizeiwagen überfahren worden sei, wurde das Spiel nach 20 Minuten abgebrochen. Daraufhin gab es in der Stadt massive Schlägereien zwischen den beiden Fanlagern und den Ordnungskräften. 176 Personen wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. Mittlerweile wird das „Derby della Capitale“ nachmittags angepfiffen. Würde das Spiel Abends stattfinden, dann könne die öffentliche Sicherheit nicht gewährleistet werden, so die Polizei.

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Die sportliche Ausgangssituation

Im anstehenden Stadtderby gibt es keinen klaren Favoriten. Zwar steht die Roma in der Tabelle vor Lazio, dennoch sind die Hellblauen nicht zu unterschätzen. Trainer Simone Inzaghi hat ein funktionierendes 4-3-3-System implementiert, das vor allem von der starken Offensive um Ciro Immobile lebt. Der Nationalspieler blüht seit seiner Rückkehr nach Italien wieder auf und bildet zusammen mit dem agilen Keita Baldè und Felipe Anderson eines der stärksten Sturmtrios der Liga. Überhaupt scheint Lazio heuer in der Verfassung zu sein, die Roma zu ärgern. Gelingt es Inzaghi einige Anpassungen zu machen und die Roma-Schlüsselspieler aus dem Match zu nehmen, dann scheint ein erfolgreiches Derby keine Utopie zu sein. Auf jeden Fall ist der Klub mit dem Adler im Wappen ein sehr unangenehmer Gegner für den gelb-roten Stadtrivalen.

nainggolan
Er ist der Schlüsselspieler im Roma-System: Radja Nainggolan.

Die Roma hingegen spielt unter Luciano Spalletti einen höchst ansehnlichen Fußball, doch Konstanz ist ein Fremdwort für die Giallorossi. Dabei lässt der glatzköpfige Spalletti ein sehr interessantes System spielen. Meistens laufen Kapitän De Rossi & Co. in einem 4-4-2 oder 4-3-3-System auf. Schlüsselspieler in der Formation ist Radja Nainggolan. Der Belgier pendelt zwischen hohen und tiefen Positionierungen, ist Verbindungsspieler im Aufbauspiel und trotzdem nicht selten der erste Pressingspieler. Kurzum: Nainggolan ist immens wichtig für das römische Spiel. Ebenfalls zum Leistungsträger hat sich Edin Dzeko gemaustert. Nach einem durchwachsenen ersten Jahr, ist der der Bosnier heuer ein echter Torjäger. Zudem steht mit De Rossi, Kevin Strootman und Leandro Paredes ein äußerst spielstarkes Mittelfeld zur Verfügung. Alles in allem ist die Roma eine sehr ausgewogene und starke Mannschaft, die auf jeden Fall das Potenzial und die Klasse hat um die Champions-League-Plätze mitzuspielen.

Fazit

Das Römer Stadtderby lebt von seiner Faszination. Für beide Klubs geht es um sehr viel, zumal die sportliche Ausgangslage keinen klaren Favoriten vorsieht. Seit Wochen fiebern Fans und Spieler dem Spiel entgegen, für sie ist es das wichtigste im Jahr. Am Ende aber muss eine alte Fußballfloskel herhalten um die Ausgangslage am besten zu beschreiben: Derbys haben ihre eigenen Gesetze. Für das „Derby della Capitale“ gilt das ganz besonders.

Alle Bilder von Adam Lloyd.

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